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Release

Brahms: Piano Works Sophie-Mayuko Vetter

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Betörend schön: Statt schwergewichtiger Symphonik präsentiert Sophie-Mayuko Vetter den späten Brahms als innerlich jung gebliebenen Klangmagier.

An Alben mit Klaviermusik von Johannes Brahms mangelt es nun wirklich nicht. Der Hamburger Romantiker erfreut sich ungebrochen großer Beliebtheit. Die meisten Produktionen geraten allerdings schnell in Vergessenheit, vermutlich weil ihnen dann doch die individuelle Note fehlt. Die bekannten Brahms-Interpreten – Wilhelm Kempff, Arturo Benedetti Michelangeli, Emanuel Ax – dominieren mit ihren Interpretationen nach wie vor den Käufergeschmack. Doch Obacht: Hier kommt eine junge, sensible und hochtalentierte Brahms-Interpretin, die viel zu gut ist, um überhört zu werden. Sophie-Mayuko Vetter belegt auf ihrem schlicht „Brahms: Piano Works“ betitelten Album, dass man nicht auf alte Aufnahmen zurückgreifen muss, um erstklassigen Brahms zu hören. Mit derselben Leidenschaft und Liebe zu Brahms wie einst die junge Hélène Grimaud (aber – bei allem Respekt vor der Französin – deutlich weniger Eigensinn), berauscht die deutsch-japanische Pianistin mit ihrem Brahms-Programm, bei dem sie sich auf die späten Kompositionen opp. 117–119 konzentriert. Ausdrucksstark, mit Sinn für die kleinsten Nuancen, spielt sie Brahms mit bemerkenswerter Anschlagtechnik und fragiler Leichtigkeit. Dabei kommen ihr offenbar ihre Erfahrungen in der historischen Aufführungspraxis zugute: Statt schwergewichtiger Symphonik präsentiert sie den späten Brahms als innerlich jung gebliebenen, betörenden Klangmagier, der mit diesen Werken das Tor zum Impressionismus ganz weit aufzustoßen scheint.

Salvatore Pichireddu | 19. Apr 2015

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