Skip to main content

Release

Tocotronic (Das rote Album) Tocotronic

5

Ist das schon Altersmilde? Tocotronic kuscheln auf ihrem elften Album erneut unaufgeregt mit von Streichern und Synthies unterlegtem Indierock. Lang lebe die Liebe!

1995, also vor genau 20 Jahren, forderten Tocotronic noch, Teil einer Jugendbewegung zu sein; längst sind sie in der zahmen Befindlichkeit des Erwachsenendaseins angekommen. So zumindest könnte man das elfte Album der Hamburger deuten, das selbst das Gitarrengeschrammel auf "Rebel Boy" harmlos gestaltet und die Liebe facettenreich, vor allem aber als Angelegenheit betrachtet, die nur Schönes bereit hält. So singt Dirk von Lowtzow in "Die Erwachsenen": "Wir wollen in unseren Zimmern liegen und knutschen, bis wir müde sind". Hach ja! Ob das der Wunsch der beziehungsmüden Mittvierziger ist oder die Beobachtung eben jener auf ihre pubertierenden Kinder, sei dahin gestellt. Fakt ist, Tocotronic sind nicht weniger politisch, bloß, weil sie säuseln. In "Solidarität" sind die Streicher aufmüpfig, die Botschaft aber auch; aus einem Titel wie "Haft" wird das ungemütliche "Ich hafte an dir". Und "Ich öffne mich" bricht mit Synthierauschen aus der Behaglichkeit aus, "Sie irren" dreht anklagend mit New-Wave-Elementen auf. Und dazwischen immer wieder Kuscheln im Sound, ein paar Percussionelemente wie in "Diese Nacht", ein säuselnder Frontmann und schließlich, beim "Date mit Dirk" meditatives Wasserplätschern. Von Gefälligkeit trotzdem keine Spur, von Gefallen dafür um so mehr.

Verena Reygers | 4. Mai 2015
Nr.
Titel
Alle Titel anzeigen

Kommentare

0 Kommentare für dieses Album
Bitte zunächst anmelden oder registrieren, um Kommentare schreiben zu können
Anmelden/Registrieren mit: Google+