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Interview mit Dillon„Es fühlte sich an, als hätte ich nie zuvor Musik gemacht“

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Interview mit Dillon - „Es fühlte sich an, als hätte ich nie zuvor Musik gemacht“ © BPitchControl

Dillons Debüt „This Silence Kills“ war ein Liebling der Kritiker und Feuilletons. Nun arbeitet die Musikerin am heiß ersehnten Nachfolger.

Dominique Dillon de Byington, den meisten besser bekannt als Dillon, wurde mit ihrem Debütalbum „This Silence Kills“ zum Darling der Indieszene und markierte zugleich eine Neuausrichtung des Berliner Labels BPitch Control. Wir sprachen mit der Künstlerin über ihr kommendes Album, den Rückzug von der Musik und wie es dazu kommt, ein Theater als Tattoo-Inspiration zu haben.

artistxite: Womit bist Du gerade beschäftigt? Es war eine Zeit lang still um Dich. Dieses Jahr spielst Du nur zwei Konzerte in Hamburg und Berlin.

Dillon: Ich nehme grad das zweite Album auf. Wieder mit den gleichen Produzenten wie bei der ersten Platte. Erst haben wir in Hamburg aufgenommen. Ich verlagere das aber gerade nach Berlin. Ich schreibe noch an Songs. Ich bin ja kein typischer Musiker, hab auch kein Studio. Ich hab mein Klavier, meinen Stift, Papier und meinen Computer. Das reicht für die groben Umrisse. Dann such ich mir die Leute, die das übersetzen können.

artistxite: Gibt es einen Erwartungsdruck?

Dillon: Gar nicht!

artistxite: Das glaube ich fast nicht.

Dillon: Wirklich, überhaupt nicht. Ich hatte schon keine Haltung beim ersten Album. Ich war selber überrascht. Es ist so wenig hängen geblieben. Kein Konzert, gar nichts. Es fühlte sich beim Schreiben der neuen Songs an, als hätte ich noch nie einen Song vorher gemacht, als hätte ich noch nie live gespielt. Ich war bei Null.

artistxite: Woher kommt das?

Dillon: Seltsamerweise ist das eingetreten, was das erste Album prophezeit hat: „This Silence Kills“. Ich war zu lange still. Hab eine lange Pause von der Musik gehabt.

artistxite: Was hast Du in der Zwischenzeit gemacht?

Dillon: Vieles: Bahn fahren, Auto fahren, Fahrrad fahren. Ich bin umgezogen, konnte meine Wohnung einrichten. Lesen, Filme gucken, kochen, backen.

artistxite: Ist das ein Ausgleich?

Dillon: Ich konnte die Musik ausschalten. Dass das ging, wusste ich selber nicht. Ich war von Musik nie besessen, hatte auch nie einen Masterplan. Ich musste mich fragen, ob ich ein zweites Album machen möchte – das war nie klar. Vielleicht wollte ich was ganz anderes ausprobieren. Aber irgendwann habe ich dann doch wieder angefangen. Worte und Texte sind mir wichtig. Ich hab mich intensiver mit Poesie auseinander gesetzt, dabei kamen auch wieder Songs heraus.

artistxite: Andere Leute würden Prosa schreiben.

Dillon: Vielleicht. Ich rede dann lieber. Dafür bin ich zu ungeduldig. Ich habe lieber ein gutes Gespräch als das alles alleine aufzuschreiben.

artistxite: Lyrik ist eine aussterbende Gattung.

Dillon: Sehe ich auch so.

artistxite: Was bedeutet Musik dann für Dich?

Dillon: Das weiß ich nicht. Ich frag mich eher, was ich für die Musik bedeute. Ich kann viele Tage ohne Musik auskommen, dann ist es wieder ein wichtiger Teil meines Lebens.

artistxite: Dein erstes Album wurde durch die Feuilletons gereicht und gefeiert. Da muss es doch zu Missverständnissen kommen.

Dillon: Das kann passieren. Es war alles für mich neu. Ich habe versucht, mich auf mich zu konzentrieren. Einige haben gute, auch richtige Sachen geschrieben. Bei anderen war es eher nicht so. Davon muss man sich aber lösen.

artistxite: Am Ende macht man Musik auch für andere Menschen. Wenn man denen was bedeutet, dann hat die eigene Arbeit vielleicht auch wieder Sinn.

Dillon: Ich sehe das als Bonus. Wenn man aber von jemandem eine E-Mail bekommt, der sich mit deiner Musik auseinander gesetzt hat, und wo schöne Dinge drin stehen, dann sind das wunderbare Momente.

artistxite: Wenn man wieder anfängt Lieder zu schreiben, wie läuft das in Deinem Falle ab?

Dillon: Ich kann mich nicht hinsetzen und einfach drauf los texten. Ich muss auf die richtigen Impulse warten. Ich wache jeden Tag um 4:30 auf, sitze, warte und schreibe. Das war bei den Aufnahmen der ersten Platte nicht so. Ich will abstrakter werden, die Texte offener halten. Auch damit ich länger was davon habe.

artistxite: Wie würdest Du sonst die Produktion beschreiben?

Dillon: Es ist die Fortsetzung von „This Silence Kills“. Kurz vor der ersten Tour wusste ich bereits, dass das Thema noch nicht zu Ende geschrieben ist. Daher ist die Tonalität bei den neuen Stücken schon vergleichbar. Am Ende bin es ja ich, der das macht. Da kann man sich nicht um 180 Grad drehen.

artistxite: Du spielst lieber im Theater als in klassischen Livevenues. Was reizt Dich am Theater?

Dillon: Ich liebe es, auf Theaterbühnen zu spielen. Ich bin aber kein Theaterfan – muss ich leider sagen. Es ist die Theaterbühne, die ich so mag und wie man als Zuschauer Blick auf die Bühne erhält. Das ist bei klassischen Clubs oder Festivals grundlegend anders. Nicht unbedingt schlechter, aber es ist was anderes.

artistxite: Was war Dein speziellstes Theatererlebnis?

Dillon: Die Volksbühne in Berlin! Wir haben bis dahin noch nie in einem Theater gespielt, tingelten in den kleinsten Clubs herum. Das kam einem absurd vor. Ich wohnte damals noch um die Ecke, bin zu Fuß zum Soundcheck, danach zum Alexanderplatz, weil ich eine Anlage für den Backstage kaufen wollte. Wir hören immer Musik, bevor wir spielen.

artistxite: Was für Musik?

Dillon: Pop. Rihanna bis Madonna. Gerne alte Madonna-Lieder. Damals war Azealia Banks ganz groß bei uns. Seither heißt unsere kleine Stereoanlage auch so. Der Tag war so absurd und großartig. Seitdem habe ich sogar ein V auf meinem Finger tätowiert. V wie Volksbühne.
    
Dillon on Tour:


19. August 2013 Kampnagel Sommerfestival, Hamburg
7. September 2013 Berlin Festival, Berlin

Künstlerseite von Dillon auf artistxite

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