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Interview mit Unmap„Musik ist eines der stärksten Mittel, um Emotionen zu erzeugen”

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Interview mit Unmap - „Musik ist eines der stärksten Mittel, um Emotionen zu erzeugen” © Sinnbus

Performance, elektronischer Kammerpop. Alex und Mariechen von der Band Unmap erklären im Interview ihren interdisziplinären Austausch zwischen Kunst und Pop.

UNMAP sind eines dieser Pop-Phänomene aus Berlin, welche sich jeglicher Einordnung entziehen. Elektronischer Kammerpop sagen die einen, existentialistischer Kunstcrossover die anderen. Wir sprachen mit Mariechen Danz und Alex Stolze über die noch junge Geschichte der Band, über die unterschiedliche Zugänglichkeit und die Möglichkeiten von Kunst und Musik.

artistxite: Wie ist es zu UNMAP gekommen?

Alex: Zu der Zeit, als ich mit Fabian intensiv mit Bodi Bill gearbeitet habe, habe ich auch Mariechen kennengelernt. 2008 haben wir ein, zwei Songs zusammen gemacht. Dann ging Mariechen nach LA. Sie ist unter anderem Performance-Künstlerin, aber spätestens da war klar, dass wir auf einer anderen Ebene mehr machen müssen. Wir fingen mit ersten Songs an und das hat sich allmählich Richtung Album entwickelt.

Mariechen: Auf jenen Moment musste ich schon ein bisschen warten (beide lachen). Alex musste erstmal Zeit dafür finden.

artistxite: Empfindet Ihr UNMAP als Albumprojekt oder als Band?


Mariechen: Am Anfang war es eine Kollaboration von Kunst und Musik, mehr eine Art Solo-Projekt. Aber jetzt ist es eine gemeinsame Sache von Alex und mir. Da nun auch noch weitere Musiker dazu gestoßen sind, sehe ich das schon als Band. Man muss aber schauen, wo das alles hingeht.

Alex: Der Austausch ist im Moment sehr rege und es fühlt sich wunderbar an. Auch weil ich immer wieder bei den Kunstprojekten von Mariechen mitmachen kann, das ist ein spannendes Feld für mich, auch als Musiker.

artistxite: Mariechen, du bist viel in der Welt unterwegs, jetzt gerade in Florenz, davor LA, arbeitest als Künstlerin, wie ist da überhaupt deine Beziehung zu Musik und Berlin?

Mariechen: Vor 14 Jahren bin ich nach Berlin gezogen und verbringe eigentlich die meiste Zeit auch da. Ursprünglich stamme ich aus Dublin/Irland. Als Künstlerin mache ich Installationen, Skulpturen, Zeichnungen und Performances. Bei den Performances versuche ich, meine Arbeiten musikalisch miteinander zu verbinden und da ist Alex ins Spiel gekommen. Musik ist weiterhin eines der stärksten Mittel, um Emotionen zu erzeugen. Mir geht es allgemein viel um Kommunikation, aber auch um Missverständnisse und Körper. Durch Alex lerne ich zur Zeit viel über das Musik machen und verstehen.

(c) Sinnbus
Alex: Als ich Mariechen kennen gelernt habe, hatte sie bereits eine flammende Begeisterung für Popkultur im Allgemeinen. Mode, die neusten Musiktrends, sie war schon immer sehr daran interessiert.

Mariechen: Pop kann ja auch zugänglicher und direkter sein. Menschen können sich mit Songs identifizieren – die sind näher am Leben als die Kunst manchmal.

artistxite: Alex, was lernt man im Gegenzug als Musiker von einer Künstlerin?


Alex: Man lernt vor allem von dem Diskurs, der bei Kunst vor dem Machen steht. Bei Pop wird gerne erst gemacht und dann nachgedacht. Ich habe die Kunst als hartes Pflaster erlebt. Jedes Bild ist belastet, alles wird hinterfragt, alles hat eine Bedeutung und ist verknüpft.

Mariechen: Vor allem die Intention spielt bei der Kunst eine große Rolle.

Alex: Genau. Was ist die Aussagekraft? Das habe ich alles in der Popmusik ein bisschen vermisst. Jetzt befinde ich mich seit einiger Zeit in Kreisen von bildenden Künstlern und fühle mich ehrlich gesagt viel wohler als in Szenen, wo Plattitüden immer wieder abgefahren werden. Hell, dunkel. Ich liebe dich, Du liebst mich nicht (Mariechen lacht laut). Das macht meiner Meinung nach das Album auch aus. Es hat ein einfaches Format, eine große Zugänglichkeit. Aber es offenbart eine Tiefe, die durch die Auseinandersetzung und den Diskurs entstanden ist.

artistxite: Welche Bedeutung hat UNMAP für Euch? Wo seht Ihr selber Eure Musik?


Mariechen: Gerade am Anfang suchen natürlich alle nach Labels und Schubladen. Bei uns kommen viele Dinge zusammen. Alex‘ klassischer Background, seine Violine, aber auch sein Techno-Label. Bei mir sind es neben Pop auch R‘n‘B-/ und HipHop-Einflüsse. Unsere Fragen waren immer: Wie kann man über einen Anfang sprechen? Wo ist die Herkunft? UNMAP heißt ja auch so etwas wie Deterritorialisierung.

(c) Sinnbus
Alex: Man kommt immer wieder auf Dinge wie reduzierter, basslastiger, Post-Pop. Elektronischer Kammerpop trifft es aber auch ganz gut.

Mariechen: Die Idee war ja immer auf rudimentären Ebenen zu bleiben. Wir haben auf Steine geschlagen und Samples aufgenommen. Bei den Sounds ging es uns auch immer um die Texturen der jeweiligen Materialien.


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